Ein Eheseminar – was bringt es wirklich?

Was für und was gegen Seminare spricht

Eheseminare werden normalerweise von Ehepaaren geleitet
Eheseminare bieten Impulse von Paaren für Paare. / Foto: Steffen Kahl

Du bist verheiratet, an manchen Tagen mehr, an anderen weniger glücklich, und Du fragst Dich: Hilft ein Eheseminar? In diesem Beitrag zeigen wir Dir, was für und was gegen Eheseminare spricht. Wir geben Dir Anregungen, wie Du den größten Nutzen aus solchen Angeboten ziehst und was Du unbedingt vermeiden musst.

Ob das Seminar einen Tag oder eine ganze Woche dauert, am Ende geht es immer um dasselbe: Du sollst mit Deinem Partner in dieser Zeit erkennen, wie Eure Ehe besser wird. Referenten sind in der Regel – oh Wunder – Ehepaare, die Anregungen und Tipps vermitteln und gleichzeitig von eigenen Erfahrungen berichten. Das Ziel ist, seinen Schatz und sich selbst genauer zu verstehen und eine klare Vorstellung davon zu bekommen, was man nach diesem Seminar besser machen kann.

Was kann ein Eheseminar im Idealfall leisten?

  •  Du erkennst präziser und tiefer, was die Ursachen für Konflikte in Eurer Beziehung sind.
  •  Du bekommst Ideen für Konfliktlösungen, auf die Du bislang noch nicht gekommen bist.
  •  Wenn es Euch in Eurer Beziehung gutgeht, erlernt Ihr Strategien, wie Ihr diesen Zustand haltet oder sogar verbessert.
  • Du fokussierst Dich für die Dauer des Seminars nur auf Deine Ehe – das ist schon ein Wert an sich!
  • Du kannst in der Regel individuelle Fragen zumindest kurz mit den Referenten besprechen.
  • Du erweiterst Deinen Horizont, wie Ehe erfüllender gelebt werden kann.
  • Du erlebst andere Paare und verlierst den Eindruck, mit Deinen Problemen ganz alleine auf der Welt zu sein.
  • Du hast das gute Gefühl, etwas für Deine Ehe getan zu haben (Nacharbeit nicht vergessen!)

Was leistet ein Eheseminar nicht?

  • Gravierende Probleme lösen sich in der Regel dadurch nicht in Luft auf.
  • Die Referenten können Deine Ehe nicht verbessern. Das musst Du selbst tun. Das Seminar kann Dir dazu aber gute Anregungen geben.
  • Eine individuelle Paarberatung gehört normalerweise nicht zu einem Eheseminar. Dafür gibt es Paartherapie.

Entscheidungshilfen

Vielleicht fragst Du Dich, nach welchen Kriterien Ihr ein Seminar für Euch aussuchen solltet. Dazu ein paar Stichpunkte:

Die Referenten

Sie sind normalerweise der wichtigste Bestandteil, aber schwer für Dich zu beurteilen, wenn Du sie nicht kennst. Wir würden als Faustregel empfehlen, dass sie mindestens schon zehn Jahre verheiratet sein sollten, besser noch länger. Vielleicht haben sie zum Thema schon publiziert oder Videos veröffentlicht, und Du bekommst darüber einen Einblick, wie sie ticken. Einfach mal googlen, was über die Redner vorher zu erfahren ist.

Die Location

Beim Eheseminar auf den Veranstaltungsort achten!
Das Umfeld spielt für ein Eheseminar eine wichtige Rolle. / Photo by Joanna Nix-Walkup on Unsplash

Es ist keineswegs gleichgültig, ob das Eheseminar im dritten Stock eines Hochhauses in der Frankfurter City oder in einem gemütlichen Seminarhaus auf dem Land stattfindet. Meistens gibt es ja auch Zeit zum Spazierengehen und Miteinanderreden, da sollte man auf ein attraktives Umfeld achten.

Die Kosten

Vermutlich irritieren wir Dich jetzt, wenn wir sagen: Der Preis eines Eheseminars ist völlig egal. Wenn es gut ist, lohnt sich jede Investition. Warum? Weil Ihr von dem Nutzen, den Ihr aus einem guten Seminar zieht, viele Jahre profitieren werdet. Stell Dir vor, jemand bietet Dir glaubwürdig an, Deine Ehe für die kommenden zehn Jahre erheblich besser zu machen – mehr Glück, mehr Entspanntheit, besserer Sex. Dafür will er 1.000 Euro. Du wärst dumm, wenn Du das nicht annimmst. Du wirst in jedem neuen Jahr mindestens 365 Tage davon profitieren! Die allermeisten Eheseminare sind übrigens günstiger…

Wie ziehst Du den größten Nutzen aus einem Seminar?

1. Gehe mit einem klaren Ziel hin. Was soll bei der Veranstaltung für Euch rausspringen? Das kannst Du sogar aufschreiben und Dich während des Seminars immer wieder an die Fragestellung erinnern.

2. Bleibe gleichzeitig vor Ort offen für neue Gedanken und Einsichten. Vielleicht erkennst Du, dass Deine Vorstellungen von einer “besseren Ehe” gar nicht so ideal sind wie gedacht. Prüfe die Impulse, die die Referenten setzen, wie sie auf Eure Beziehung passen oder angepasst werden können.

3. Setze sofort etwas vom Gelernten um. Sofort! Am besten noch während des Seminars, spätestens aber am Tag nach der Heimreise. Es gibt Statistiken, die besagen: Wenn man von einem Seminar nicht innerhalb von 48 Stunden etwas umsetzt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man es überhaupt noch tut, unter fünf Prozent. Das heißt: Wenn Du nicht sofort mit den Erkenntnissen aus dem Seminar praktisch wirst, hast Du eigentlich nur Lebenszeit und Geld vergeudet. Das ist übrigens nicht nur schade für Dich. Auch Referenten fühlen sich schlecht, wenn sie erkennen, dass ihr Investment vergeblich gewesen ist. Also: Setze sofort etwas um!

Wer bietet Eheseminare an?

Es gibt sehr unterschiedliche Veranstalter, doch nach unserer Recherche sind es im deutschsprachigen Raum vor allem Kirchen und christliche Organisationen, die Paare zu dauerhaftem Glück verhelfen wollen. Falls Du nicht Christ bist, solltest Du Dir solche Angebote wie die von Team F, “Begegnung in der Ehe” (BidE), dem LiSa-Eheatelier oder katholischen Einrichtungen wie im Bistum Augsburg dennoch anschauen. Oft sind sie so gestaltet, dass man auch als nichtreligiöses Paar tolle Inspiration daraus erfährt.

Wir selbst veranstalten übrigens auch seit über zehn Jahren Eheseminare, weitere Informationen dazu gibt es hier. Das Feedback ermutigt uns, auf diesem Weg weiterzumachen. Was die Teilnehmer schätzen: Einfach mal ein paar Stunden ungestört mit seinem Partner über die Beziehung zu reflektieren, Zeit füreinander zu haben, Ideen zu besprechen und Neues auszuprobieren – das ist für beide ein großer Gewinn.

Hilft ein Eheseminar? Wir würden sagen: Ja, immer, wenn man sorgfältig auswählt und dann mit der richtigen Einstellung hingeht.

 

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