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Lockend, aber nicht lohnend: außereheliche Affären. Foto: flickr/tonythemisfit

Die US-Studie zur sexuellen Zufriedenheit von Langzeitpaaren, über die wir bereits drei Einträge gebloggt haben, hat auch eine Botschaft zum Thema Heiraten: Das Herumexperimentieren mit Partnern vor oder außerhalb der Ehe ist kein sexueller Glücksfaktor. Die Zahlen belegen, dass die Wahrscheinlichkeit der Zufriedenheit auf diesem Gebiet sogar sinkt, wenn man Beziehung auf Probe lebt oder „Seitensprünge“ riskiert.

Die Unterschiede sind nicht gravierend. Aber sie machen eines deutlich: Die Suche nach sexuellem Glück außerhalb der Ehe bringt, statistisch gesehen, gerade nicht den Erfolg, den man sich davon verspricht. Wenn man dazu die ganzen anderen Probleme hinzurechnet, die sich mit nicht- und außerehelichen Beziehungen ergeben, so lässt das nur einen Schluss zu: Es lohnt sich nicht. Man muss also kein Moralist sein, um solchen Verhaltensmustern kritisch gegenüber zu stehen.

Die Faszination einer Affäre bleibt natürlich – insbesondere, wenn man in einer Ehe gerade eine sehr unbefriedigende Phase durchmacht oder das Alleinsein kaum mehr aushält. Da scheint das Gras auf der anderen Seite tatsächlich grüner … Doch ich habe dieser Tage den schönen Spruch gelesen: „Das Gras ist grüner … wo Du es bewässerst.“ Das sollte Verheiratete motivieren, einer dürren Beziehung neues Leben einzuhauchen, auch wenn das vorübergehend mühevoll ist. Und Singles sollten sich dafür entscheiden, in die Anbahnung einer verlässlichen Partnerschaft zu investieren. Die Ernte wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wundervoll sein.

Immer hilfreich: Zärtlichkeiten im Alltag. Foto: flickr/filipamachado

Die Botschaft der ersten beiden Teile unserer Serie über die sexuelle Zufriedenheit von Langzeitpaaren lautete: Es wird immer schöner, aber es dauert. In Zeiten von McDonald’s und anderen Angeboten der Instant-Befriedigung scheint dieser Weg etwas mühsam. Und wir fragen uns: Kann man den Weg nicht ein bisschen beschleunigen?

Es gibt keine Erfolgsgarantie, aber die Ergebnisse der amerikanischen Studie legen doch ein paar Schritte nahe, die sich als Katalysator auf die sexuelle Zufriedenheit auswirken könnten.

  • Zärtlichkeiten im Alltag

Menschen sind ganzheitliche Wesen. Sexualität lässt sich nicht auf das Bettgeschehen reduzieren. Wer sich im Alltag in den Arm nimmt, streichelt, küsst, scheint sich damit auch immer ein bisschen auf die körperliche Liebe einzustimmen. Unsere Freunde Claudia und David Arp stellen in ihren Seminaren an Teilnehmer die Frage, ob sie denn 20 Sekunden am Tag investieren könnten, um an der Verbesserung ihrer Beziehung zu arbeiten. Das bejaht natürlich jeder. Dann empfehlen Sie: Verabschiede Dich am Morgen mit einem zehn Sekunden langen Kuss von Deinem Partner. Und begrüße ihn beim Wiedersehen mit einem zehn Sekunden langen Kuss. Die Übung soll Wunder wirken.

  • Konzentration auf den Partner

Die verstorbene Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann hat einmal formuliert: „Nur auf Umwegen erreicht man das Glück.“ Damit meinte sie, dass das gezielte Streben nach dem eigenen Glück in der Regel erfolglos bleibt. Es sind eher Aktivitäten, auch Anstrengungen, Engagement für andere, was uns Glücksgefühle beschert. Das gilt ganz offenbar auch in der sexuellen Beziehung. Wer sich darauf konzentriert, den anderen glücklich zu machen, steigert erheblich seine Chancen, selbst glücklich zu werden. Das kann man üben.

  • Viel hilft viel

Die Paarstudie belegt, dass beide Partner davon profitieren, wenn sie häufiger miteinander Sex haben. Das erhöht generell die Wahrscheinlichkeit von mehr Glücksgefühlen und von stärkerer sexueller Zufriedenheit. Wer also unzufrieden ist, löst das Problem nicht dadurch, dass er sich dem anderen entzieht. Die Studie erklärt nicht die Ursachen, warum viel auch viel hilft. Vermutlich hat es etwas mit Übung zu tun, mit wachsender Vertrautheit, mit mehr Kreativität. Wer das alles auf den Samstagabend reduziert, wird sich schwer weiter entwickeln können.

Küssen macht glücklicher. Foto: flickr/alakulo

Im ersten Teil dieser Serie zu einer US-Studie ging es darum, dass entgegen aller Vorurteile die sexuelle Zufriedenheit in Langzeitbeziehungen statistisch erheblich zunimmt und eben nicht in Langeweile erstickt. Machen wir im zweiten Teil doch gleich mit den Vorurteilen weiter. Manche Vorurteile gehen etwa so: Während Männer beim Sex den schnellen Höhepunkt anstreben, wollen Frauen reden, küssen, kuscheln. Männer sind schnell zufriedenzustellen, Frauen kaum.

Die amerikanischen Forscher haben hingegen andere Zusammenhänge entdeckt. Zärtlichkeiten im Alltag machen es wahrscheinlicher, dass eine Beziehung glücklich ist – das gilt überraschenderweise in stärkerem Maß für Männer als für Frauen. Den Männern hilft körperliche Nähe (ohne Sex) anscheinend sehr viel mehr für ihre Lebenszufriedenheit als allgemein angenommen. Und die unterstellte Gleichgültigkeit des Mannes gegenüber dem Lustempfinden seiner Partnerin lohnt sich offenbar nicht. Im Gegenteil: Je mehr sich ein Mann darum kümmert, seine Frau zum Orgasmus zu bringen, desto wahrscheinlicher ist es, dass er selbst sexuelle Zufriedenheit erlebt.

Unsere sozialwissenschaftlich geschulten Freunde werden hier wieder – zu Recht – fragen, was eigentlich Ursache und was Wirkung ist. Sind es die Glücklichen, die zum Kuscheln neigen, oder sind es die Kuschelnden, die durch diese Tätigkeit glücklich werden? Sind es die sexuell Zufriedenen, die sich um die Lust des andern kümmern – oder bewirkt erst dieses Kümmern die Zufriedenheit?

Solange sich diese Fragen nicht klären lassen, hilft einfach nur: ausprobieren. Männer, kuschelt und küsst und streichelt und lasst Euch von Eurer Frau erklären (bzw. zeigen), was ihr richtig gut tut. Und wenn ihr selbst dabei glücklicher werdet – umso besser!

Es dauert, aber es wird immer schöner: Sexuelle Zufriedenheit bei Langzeitpaaren. Foto: flickr/highoncontrast

Je länger die Beziehung, desto langweiliger der Sex. So das Vorurteil. Eine aufregende Studie der US-amerikanischen Universität von Indiana hat nun die sexuelle Zufriedenheit von Paaren in Verbindung mit ihrer Vorgeschichte und ihrem Verhalten untersucht. Die Studie befragte über 1.000 Paare aus Brasilien, Deutschland, Japan, Spanien und den USA, die durchschnittlich bereits 25 Jahre zusammen waren. Die Ergebnisse sind so interessant, dass wir ihnen in der kommenden Zeit mehrere Blogeinträge widmen wollen.

Eine faszinierende Beobachtung ist: Die sexuelle Zufriedenheit von Frauen wird rein statistisch betrachtet mit jedem Jahr größer, das sie in derselben Beziehung erleben. Hier muss man in großen Zeiträumen rechnen. Es ist offenbar normal, dass Frauen in den ersten Jahren der Partnerschaft sehr viel weniger Zufriedenheit im Bett erreichen als Männer. Das Glücksniveau auf diesem Gebiet gleicht sich in der Regel erst nach 15 bis 25 Jahren an.

Für eine beglückende sexuelle Gemeinschaft braucht es demnach insbesondere für Frauen etwas Geduld. Dieser Prozess kann zum Glück beschleunigt werden (darauf werden wir in einem späteren Blogeintrag eingehen), aber eben nicht dadurch, dass man den Partner wechselt. Das bedeutet: Eine Beziehung auf Lebenszeit lohnt schon deshalb, weil auf diesem Weg die Wahrscheinlichkeit für immer mehr und immer tiefere Glücksgefühle ansteigt. Und das ist alles andere als langweilig.

Die amerikanische Journalistin Ginger Kolbaba hat sich an ein gewagtes Interview gemacht: Sie sprach mit vier Sextherapeuten über eine christliche Sicht von Sexualität, aber auch über die Probleme, denen christliche Paare gegenüber stehen.

Paare stellen manchmal die falschen Fragen. Foto: rabbrown/flickr

Ein paar Thesen der Befragten:

* Jedes Paar muss sich im Lauf der Partnerschaft mit sexuellen Problemen auseinandersetzen. Jedes!

* Die meisten Paare haben erst nach 30 Jahren (!) richtig guten Sex.

* Die Frage „Was ist im Bett erlaubt?“ ist falsch gestellt. Die richtige Frage muss lauten: „Was dient meinem Partner?“

* Sex soll (auch) zur Ehre Gottes geschehen – wie alles, was Christen tun.

* Mit dem Alter verlieren viele Paare das Verspieltsein – aber genau das gehört in die sexuelle Gemeinschaft.

* Verbesserungen auf diesem Gebiet geschehen nicht immer über Nacht. Aber sie geschehen, wenn ein Paar sich auf den Weg macht.

Den Artikel in englischer Sprache gibt es hier.