Vier Mythen über die Ehe

Entzauberte Mythen über die Ehe. Foto: flickr/elsie

 

 

Wir leben zwar in aufgeklärten Zeiten. Über die Ehe sind dennoch Mythen im Umlauf, von denen wir uns verabschieden sollten.

 

  • Mythos 1: Eheprobleme sind immer Kommunikationsprobleme

Der amerikanische Psychologe John M. Gottman, der viel beachtete Untersuchungen zur Paarbindung vorgelegt hat, wies nach, dass glückliche Paare vordergründig nicht besser als unglückliche miteinander kommunizieren. Sie hören einander genauso schlecht zu, sind bei der Kritik am anderen keineswegs immer zimperlich und sind bei Wutgefühlen auch nicht dagegen gefeit, einander anzuschreien.

  • Mythos 2: Für eine harmonische Partnerschaft sind gemeinsame Interessen entscheidend

Natürlich braucht es Schnittmengen, wenn man nicht komplett aneinander vorbei leben will. Aber entscheidender ist, wie man innerhalb dieser Schnittmengen miteinander umgeht. Wenn beide Partner gerne kochen, können sie sich in der Küche wunderbar ergänzen – oder unendlich darüber streiten, wann eine Weinsoße als gelungen zu betrachten ist und wann nicht.

  • Mythos 3: Nur psychisch gesunde Menschen können eine glückliche Ehe führen

Der Psychologe Gottman bestreitet die Grundannahme, dass Neurosen oder andere Persönlichkeitsprobleme automatisch eine Ehe zerstören. Da jeder Mensch Eigenheiten, befremdliche Seiten, vielleicht sogar Absonderlichkeiten mit in die Partnerschaft bringt, ist das eher eine Frage an die Liebe, die Toleranz und den Respekt, die der andere zu bringen bereit ist. Jedenfalls hat der Psychologe auch bei denen, die als Neurotiker bezeichnet werden, viele glückliche Ehen gefunden.

  • Mythos 4: Die Ehe ist wie ein „Partnerschaftskonto“, das keiner der beiden stark überziehen darf

Hier liegt der Gedanke zugrunde, dass jedes freundliche Wort oder jede hilfreiche Tat zurückgezahlt wird. Wer also eine gute Ehe will, muss erst einmal tüchtig aufs „Partnerschaftskonto“ einbezahlen, um später auch wieder großzügig abbuchen zu können. Dieser Idee erteilt Paarforscher Gottman eine klare Absage: „In Wirklichkeit ist es aber die unglückliche Ehe, in der dieses Prinzip des Aufrechnens praktiziert wird, weil jeder das Gefühl hat, Protokoll darüber führen zu müssen, wer was für wen getan hat. Glückliche Ehepartner rechnen nicht auf, ob der andere das Geschirr spült, wenn der eine das Essen gekocht hat … Wenn bestimmte Dinge immer wieder aufgerechnet werden, dann weist das darauf hin, dass hier ein Spannungsfeld in der Ehe besteht.“

Wichtiger als Kommunikationstechniken, gemeinsame Interessen, psychische Gesundheit und ungeschriebene Vertragsregeln ist für das Glück einer Ehe, wie Mann und Frau bei Meinungsverschiedenheiten miteinander umgehen. Hier besteht die eigentliche Lernaufgabe für Paare in der Krise und davor. Wo man ein Gespräch mit einem groben Angriff beginnt, scharfe Kritik und Verachtung zum Ausdruck bringt, vielleicht sogar in Zynismus und Sarkasmus samt dem verletzenden höhnischen Lachen verfällt, ist höchste Alarmstufe. Aber auch der schweigende Rückzug, wie er vor allem bei Männern zu beobachten ist, kann gefährlich werden.

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