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Lockend, aber nicht lohnend: außereheliche Affären. Foto: flickr/tonythemisfit

Die US-Studie zur sexuellen Zufriedenheit von Langzeitpaaren, über die wir bereits drei Einträge gebloggt haben, hat auch eine Botschaft zum Thema Heiraten: Das Herumexperimentieren mit Partnern vor oder außerhalb der Ehe ist kein sexueller Glücksfaktor. Die Zahlen belegen, dass die Wahrscheinlichkeit der Zufriedenheit auf diesem Gebiet sogar sinkt, wenn man Beziehung auf Probe lebt oder „Seitensprünge“ riskiert.

Die Unterschiede sind nicht gravierend. Aber sie machen eines deutlich: Die Suche nach sexuellem Glück außerhalb der Ehe bringt, statistisch gesehen, gerade nicht den Erfolg, den man sich davon verspricht. Wenn man dazu die ganzen anderen Probleme hinzurechnet, die sich mit nicht- und außerehelichen Beziehungen ergeben, so lässt das nur einen Schluss zu: Es lohnt sich nicht. Man muss also kein Moralist sein, um solchen Verhaltensmustern kritisch gegenüber zu stehen.

Die Faszination einer Affäre bleibt natürlich – insbesondere, wenn man in einer Ehe gerade eine sehr unbefriedigende Phase durchmacht oder das Alleinsein kaum mehr aushält. Da scheint das Gras auf der anderen Seite tatsächlich grüner … Doch ich habe dieser Tage den schönen Spruch gelesen: „Das Gras ist grüner … wo Du es bewässerst.“ Das sollte Verheiratete motivieren, einer dürren Beziehung neues Leben einzuhauchen, auch wenn das vorübergehend mühevoll ist. Und Singles sollten sich dafür entscheiden, in die Anbahnung einer verlässlichen Partnerschaft zu investieren. Die Ernte wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wundervoll sein.

Es dauert, aber es wird immer schöner: Sexuelle Zufriedenheit bei Langzeitpaaren. Foto: flickr/highoncontrast

Je länger die Beziehung, desto langweiliger der Sex. So das Vorurteil. Eine aufregende Studie der US-amerikanischen Universität von Indiana hat nun die sexuelle Zufriedenheit von Paaren in Verbindung mit ihrer Vorgeschichte und ihrem Verhalten untersucht. Die Studie befragte über 1.000 Paare aus Brasilien, Deutschland, Japan, Spanien und den USA, die durchschnittlich bereits 25 Jahre zusammen waren. Die Ergebnisse sind so interessant, dass wir ihnen in der kommenden Zeit mehrere Blogeinträge widmen wollen.

Eine faszinierende Beobachtung ist: Die sexuelle Zufriedenheit von Frauen wird rein statistisch betrachtet mit jedem Jahr größer, das sie in derselben Beziehung erleben. Hier muss man in großen Zeiträumen rechnen. Es ist offenbar normal, dass Frauen in den ersten Jahren der Partnerschaft sehr viel weniger Zufriedenheit im Bett erreichen als Männer. Das Glücksniveau auf diesem Gebiet gleicht sich in der Regel erst nach 15 bis 25 Jahren an.

Für eine beglückende sexuelle Gemeinschaft braucht es demnach insbesondere für Frauen etwas Geduld. Dieser Prozess kann zum Glück beschleunigt werden (darauf werden wir in einem späteren Blogeintrag eingehen), aber eben nicht dadurch, dass man den Partner wechselt. Das bedeutet: Eine Beziehung auf Lebenszeit lohnt schon deshalb, weil auf diesem Weg die Wahrscheinlichkeit für immer mehr und immer tiefere Glücksgefühle ansteigt. Und das ist alles andere als langweilig.

Markus Spieker ist Hauptstadtkorrespondent der ARD und ein Buchautor mit faszinierender Sprache. Sein neues Werk mit dem Titel „Mono“ stellt das Thema Treue in den Mittelpunkt. In einem Interview erläutert er, wie uns Treue im 21. Jahrhundert herausfordert.