Wie glücklich macht eine Scheidung?

In der Ehekrise klingt die Möglichkeit einer Scheidung verlockend. Weggehen von dem Menschen, den man für die Quelle schlechter Gefühle und nerviger Diskussionen hält. Wieder seine Ruhe haben. Im Augenwinkel vielleicht schon die Option auf einen anderen Lebenspartner betrachten. Doch wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, durch die Trennung von seinem Ehepartner glücklicher zu werden?

Streit muss nicht in Scheidung münden. Foto: Flickr/rwp-roger
Die amerikanische Soziologin Linda Waite von der Universität von Chicago hat 5.232 verheiratete Paare zweimal befragt – mit einem Abstand von fünf Jahren. Diejenigen, die sich beim ersten Interview als unglücklich bezeichneten und sich dann scheiden ließen, waren fünf Jahre später im Schnitt nicht glücklicher. Hingegen bezeichneten sich zwei Drittel derer, die trotz der Krise zusammenblieben, fünf Jahre später als glücklicher und zufriedener. Unter den Paaren, die am unzufriedensten waren und dennoch ihre Ehe erhielten, hatten 80 Prozent fünf Jahre später ein hohes Glücksniveau.

Natürlich gibt es immer Einzelfälle, in denen alles ganz anders ist. Natürlich gibt es einzelne Menschen, die nach der Scheidung einen neuen Partner fürs Leben finden, mit dem sie sehr viel glücklicher werden. Nur: Statistisch ist das offenbar die Ausnahme. Die Hoffnungen auf eine gelingende neue Beziehung enden in einer zweiten frustrierenden Ehe oder scheinbar alternativloser Einsamkeit. Die Regel ist: Wer auch harte Zeiten miteinander durchsteht, erklimmt danach ein deutlich höheres Glückniveau. Das sollte alle ermutigen, die momentan im Keller ihrer Beziehung sitzen und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Meistens geht es weiter – und zwar deutlich besser als zuvor!

Die Studie ist nicht ganz neu (2002), aber die Zahlen sind weiterhin lesenswert. Eine Zusammenfassung in englischer Sprache gibt es hier.

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