Liebe mit Tiefgang – eine Anleitung

Mehr Tiefgang durch Gespräche – dazu gibt es im Blogbeitrag eine kleine Anleitung. Pexels / Pixabay

Wie können wir in unserer Ehe von einer oberflächlichen Beziehung zu einer  Liebe mit Tiefgang kommen? Eine Friseuse hat uns einmal berichtet, sie habe in der Ausbildung gelernt, beim Haareschneiden drei Themengebiete nie von sich aus anzusprechen:  Politik, Sex – und Religion. Was ich glaube, ist ein wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit. Was ich gut und richtig finde, ist ein wesentlicher Teil meiner Identität. Das heißt: Wer meinen Glauben und meine Werte infrage stellt, stellt mich als Person infrage.

Das tut er vielleicht nicht wirklich, aber so kommt es bei vielen von uns an. Deshalb braucht es eine besondere Sensibilität, viel Empathie und auch Toleranz, wenn man dieses Gespräch mit seinem Partner in Gang bringen möchte.

Bergtour statt Spaziergang

Wer hier mal schnell seinen Liebsten oder seine Liebste zu irgendetwas „bekehren“ möchte, wird Schiffbruch erleiden. Das Vertiefen der Beziehung ist ein herausfordernder, lohnenswerter Weg – allerdings eher einer Bergtour vergleichbar als einem Spaziergang.

Beginnen wir mit einer einfachen Idee. Sie wollen mit Ihrem Partner tiefere Gespräche führen, haben das aber in den vergangenen Monaten und Jahren etwas verlernt. Wie können Sie hier wieder einsteigen?

Wenn Ihr Partner zum Reden bereit ist, lässt sich das beispielsweise so bewerkstelligen: Jeder von Ihnen nimmt sich eine kleine, leere Karteikarte und schreibt darauf einen Begriff, über den er sprechen möchte. Auf der Karte könnte ein Wort stehen wie „Jesus“, „Gerechtigkeit“, „Klimaschutz“ oder „Gottesdienst“. Nun bekommt jeder fünf bis zehn Minuten, in denen er sagt, was ihm der Begriff bedeutet.

Meine persönliche Geschichte

Es geht also nicht um Sach- oder Definitionsfragen, sondern mehr um Gefühle und Empfinden. Was löst das Wort in mir aus? Welche Erfahrungen habe ich damit gemacht? Weckt es positive oder negative Energien in mir?

Wer sich mehr Zeit nimmt, kann das inhaltlich auch erweitern und dem nachgehen, welche Prägungen man zu dem Begriff in seinem Leben mitbekommen hat. Wie haben meine Eltern oder Lehrer über Jesus geredet? Warum habe ich dem Thema Klimaschutz vielleicht bislang nie besondere Bedeutung beigemessen? Wie habe ich Gottesdienste erlebt?

Werten ist streng verboten

Wichtig ist, dass einer spricht und der andere zuhört. Verständnisfragen sind erlaubt, Kommentare und Wertungen streng verboten. Selbst wenn der Partner Dinge sagt, an denen Sie ein bisschen schlucken müssen – schlucken Sie!

Es geht zuallererst darum, den anderen zu verstehen, und nicht darum, ihn zu verändern. Selbstredend bleibt das Ziel, zu mehr Gemeinsamkeit zu kommen, doch dieses Ziel erreichen Sie nie, wenn Sie Ihren Partner noch nicht einmal verstehen. Gegenseitiges Verständnis ist der Weg zum Vertiefen.

Tiefgang durch mehr Gemeinsamkeit

Es hilft dabei, selbst bei sehr unterschiedlichen Bewertungen etwa von Handlungsweisen zu prüfen, ob dahinter nicht doch eine Gemeinsamkeit liegt. Ein Beispiel: Sie haben auf die Karteikarte „Armut“ geschrieben und kommen dabei auf folgende Begebenheit zu sprechen: Wenn Sie beide samstags gemeinsam einkaufen gehen, spazieren Sie in der Fußgängerzone immer an ein paar Bettlern vorbei. Die Frau wirft jedes Mal einen Euro in die Pappschachtel; der Mann ärgert sich. Er findet, dass das überhaupt nichts bringe.

Wenn Sie darüber ins Gespräch kommen, stellen Sie vielleicht fest: Auch der Mann wünscht sich mehr Engagement gegen Armut. Doch scheint ihm das Almosen ein völlig ungeeignetes Mittel dafür zu sein. Im weiteren Verlauf des Gesprächs werden sich die beiden einig, dass sie durchaus mehr gegen Armut tun wollen. Sie planen, künftig regelmäßig einen Betrag für die Suppenküche der Heilsarmee zu spenden oder vielleicht sogar selbst an einem Tag der Woche dort die Schöpfkelle in die Hand zu nehmen. Aus einer scheinbaren Kontroverse – dem Bettler einen Euro geben oder nicht? – ist auf diese Weise ein tieferes, gemeinsames Engagement geworden.

 

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