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Rolf Kühnast, pixelio.de

Auf der Leipziger Buchmesse stellte heute Ulrich Störiko-Blume, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, den Trendbericht vor. Dabei sagte er, dass nur knapp ein Fünftel der Väter ihren Kindern vorliest. Sie überlassen die Verantwortung dafür lieber den Müttern. Da das Leseverhalten der Kinder maßgeblich durch die elterlichen Vorbilder geprägt wird,  profitieren hier vor allem die Mädchen. Die Jungs orientieren sich an ihrem männlichen Vorbild.

Bei der Pressekonferenz wurde nachdrücklich auf die Bedeutung des Vorlesens hingewiesen: Die Liebe zum Lesen entwickle sich schon bevor das Kind selber lesen könne, nämlich indem ihm reichlich vorgelesen wird.

Vorlesen als Investition in die Zukunft

Vorlesen hat einen nachhaltigen Effekt, der über die reine Vorlesesituation hinausgeht. Darauf weist der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ) hin. „Vorlesen schafft gemeinsame Erfahrungen, liefert Stoff für gemeinsame Gespräche und spätere Erinnerungen. Für Väter ein wichtiger Schatz, der vielleicht erst viel später richtig gewürdigt wird. Es ist zu hoffen, dass sich auch bei den Männern das Bewusstsein verstärkt, dass das Vorlesen auch für sie eine Win-Win-Situation ist“, sagt Regina Pantos, Vorsitzende des AKJ. Väter könnten durch das Vorlesen im Familienkreis für ihre Söhne eine wichtige Orientierung auch in entwicklungspsychologischer Hinsicht sein. (www.buchmarkt.de)

Also, liebe Väter, nehmt Euch Zeit und sucht nach guten, wertvollen, witzigen, abenteuerlichen, spannenden Geschichten für Eure Kinder!

Über den Trenungsschmerz, den Kinder erleiden, wenn sie von ihren Eltern in den Kindergarten gebracht werden, schreibt die Ärztin und Journalistin Dunja Voos (www.medizin-im-text.de) in ihrem Blog.

Immer früher bringen Eltern ihre Kinder heute in den Kindergarten – oft zu einem Zeitpunkt, zu dem das Kind eigentlich zu dieser Trennung noch nicht bereit ist. Die Kinder werden dort oft „abgeliefert“, bei dem Personal- und Zeitmangel in den Einrichtungen ist es fast unmöglich, auf den seelischen Schmerz dieser Kinder einzugehen. Eltern sagen häufig: „Stell Dich nicht so an.“- Die Erzieher/-innen meinen: „Das wird schon.“ Tatsächlich hört das Kind irgendwann auf zu weinen, was bleibt ihm auch anderes übrig. Diese Resignation bedeutet nicht, dass das Kind den Schmerz verwunden hat. Voos nennt es eine „Ohnmachtsreaktion“ und erklärt, dass der beste Umgang mit diesem kindlichen Verhalten wäre, abzuwarten, bis das Kind von sich aus zur Trennung bereit ist. Dieser Zeitpunkt tritt bei jedem Kind ein, wenn es reif dafür ist. Falls sich die zu frühe Trennung nicht vermeiden lässt, sollte wenigstens der Schmerz des Kindes nicht verleugnet oder gar verspottet werden. Eine Weile weinen dürfen auf dem Arm der Mutter, ein einfühlsames Wort und echtes Mitgefühl können der kindlichen Seele bei der Verarbeitung des Trennungs-Traumas eher helfen als rohe Abweisung oder sture Ignoranz.

Rainer Sturm, pixelio.de

Dr. Rainer Patzlaff, Leiter des Stuttgarter Instituts für Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie, sprach in Ulm über die Kindheit im Beschleunigungswahn. Das Fazit laut einem Artikel in der Südwestpresse:

Dass antiautoritäre Erziehung Käse gewesen sei, sei heute Konsens. „Sie wurde per Staatsbegräbnis beerdigt.“

Ein solches „Staatsbegräbnis“ wünscht sich Patzlaff auch für die aktuell grassierende Effizienz-Pädagogik. Denn die Entwicklungsprozesse eines Kindes ließen sich nun mal nicht beliebig beschleunigen. Konkret: Frühere Einschulung, achtjähriges Gymnasium und zunehmender Leistungsdruck machen aus Kindern später keine lebenstüchtigeren Menschen.

Genauso wenig wie der frühe Umgang mit Computern spätere Computerexperten erzeugt. „Meine besten Programmierer sind die, die als Kind keinen Computer hatten“, hat ein Firmenchef Patzlaff einmal erzählt.